1920: Türkische Orangen zur Fasnetszeit, und die Türkei wird auch in der Türkei zur Türkei.

1914 – 1923: Vom Beginn des Ersten Weltkriegs bis zur Gründung der Türkischen Republik

1914 | 1915 | 1916 | 1917 | 1918 | 1919 | Teil 7: 1920

Im Jahre 1920 kommt eine türkische Delegation mit Orangen nach Oberndorf am Neckar, einer Hochburg der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Die kostbaren Früchte werden von den „Türken“ beim Fasnetsumzug verteilt – die 100 Jahre später noch lebendige Tradition des Orangenwerfens wurde damit begründet, berichtet der Schwarzwälder Bote. Natürlich kamen 1920 keine türkischen Gemüsehändler nach Schwaben – die Delegation war wegen des Waffenproduzenten Mauserwerke dort, zu dem das osmanische Heer langjährige Verbindungen pflegte. Ob aber die Legende stimmt? Anfang 1920 waren für Deutschland die Bestimmungen des Versailler Vertrages in Kraft getreten; darin sollten nach dem Ende des I. Weltkriegs 1918 verschiedene Paragraphen dafür sorgen, dass politische, wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen zwischen Deutschland und dem Osmanischen Reich für alle Zeit unterbunden werden: Die Delegation welcher türkischen Kriegspartei, der Seite des Sultans oder der des späteren Atatürk, konnte in diesen Zeiten an den Neckar fahren? 1920 wird also in Oberndorf Fastnacht gefeiert, 2 Jahre nach dem I. Weltkrieg und – wenn das stimmt – mit Orangen aus einem besetzten, darnieder liegenden Land, in dem sich verschiedene Gruppierungen bewaffnet gegenüberstehen. Für dieses Land wird es ein weiteres entscheidendes Jahr auf dem Weg zur Republik werden – rückblickend wird man sagen, dass in diesem Jahr das Jahrhunderte alte Osmanische Reich aufhörte zu existieren.

Straßenhändler und amerikanischer Major, Pera, Istanbul 1920 (Library of Congress, loc.gov/item/2010650569)
Straßenhändler und amerikanischer Major, Pera, Istanbul 1920 (Library of Congress, loc.gov/item/2010650569)

In Istanbul beginnt dieses politische Jahr 1920 am 13. Januar vor der Kulisse der Hagia-Sophia-Moschee, auf türkisch Ayasofya, mit dem vierten und letzten der Sultanahmet Mitingleri [historische Videoaufnahme], den großen Kundgebungen in Sultanahmet. Beginnend im Mai 1919, nach der Besetzung Smyrna/İzmirs durch griechische Truppen, demonstrierten auf den Meetings hunderttausende für die (auch religiöse, d. h. muslimische) Selbstbestimmung im besetzten Osmanischen Reich. Am selben Ort werden hundert Jahre später bei einem Freitagsgebet wieder hunderttausende die Umwandlung der Hagia Sophia von einem Museum zurück in eine Moschee begehen, auch das zu einem Akt der Selbstbestimmung erklärt. Es sind die Plakate mit dem Slogan „Hedef 2023“ (Ziel 2023) zu sehen, Verweis auf den in drei Jahren anstehenden 100. Geburtstag der Türkischen Republik – auch die Sultanahmet Mitingleri waren ein Beitrag auf dem Weg zu dieser Republik.

Britische Truppen bei der Besetzung Istanbul, Tophane 1920 (Library of Congress, loc.gov/item/2010650577)
Britische Truppen bei der Besetzung Istanbul, Tophane 1920 (Library of Congress, loc.gov/item/2010650577)

Die seit anderthalb Jahrtausenden symbolträchtige Hagia Sophia war damals wie heute nicht zufällig gewählt: In Sultanahmet wird im alten Istanbul demonstriert, nicht im verwestlichten Pera der Besatzungsmächte. Es wird vor einem Gebäude demonstriert, das wie kein anderes für den Sieg der Osmanen über westliche und christliche Kräfte steht, 1453 vom Eroberer Konstantinopels, Fatih Sultan Mehmed, in eine Moschee umgewandelt – bis dahin seit dem 6. Jahrhundert universelles Zentrum der orthodoxen Christenheit. In einem schwächer werdenden Osmanischen Reich war ein Istanbul ohne Minarette schon vor der Niederlage im I. Weltkrieg ein Angst- bzw. Propagandabild – Thessaloniki, über Jahrhunderte bedeutende Stadt im Osmanischen Reich, bestätigt heute solche Ängste: Einst war dort das Stadtpanorama gespickt mit Minaretten, ab 1912 Teil Griechenlands gibt es in der Stadt heute noch genau ein Minarett. In Istanbul regierten seit 1918 die Alliierten Hochkommissare Frankreichs, des Vereinigten Königreichs, Italiens, der USA und Griechenlands – die erhöhten ihren politischen und militärischen Druck, als die Vertreter einer türkischen Unabhängigkeit bei den Wahlen zu einem – dem letzten – osmanischen Parlament die Mehrheit gewinnen. Am 16. März 1920 besetzten britische Truppen Istanbul, beschlagnahmten das osmanische Kriegsministerium, beschnitten die Rechte des offiziell noch regierenden Sultans Mehmed VI. Vahideddin weiter – unter nur schwachem Protest des Sultans. Zwei Jahre später wird die Regierung der nationalen Unabhängigkeit in Ankara rückwirkend zu diesem Termin das Sultanat für abgeschafft erklären.

Sultans Mehmed VI. Vahideddin, Istanbul 1920 (Library of Congress, loc.gov/item/2010650583)
Sultans Mehmed VI. Vahideddin, Istanbul 1920 (Library of Congress, loc.gov/item/2010650583)

Mit den Ereignissen in Istanbul im März 1920 wurde klar, wie wenig eigene, osmanisch-türkische, Entscheidungsgewalt noch bei einem Sultan, einer Regierung, einem Parlament in Istanbul lag. Die Unabhängigkeitsbewegung unter Mustafa Kemal erklärte das osmanische Parlament in Istanbul daraufhin für aufgelöst und lud die Vertreter der Nation zur Gründung einer „Versammlung mit außerordentlichen Vollmachten“ nach Ankara ein. Am 23. April 1920 konstituiert sich dort die Große Nationalversammlung der Türkei (türkisch Türkiye Büyük Millet Meclisi, TBMM) als Volksvertretung zur Durchsetzung der Wünsche des „türkischen“ Volkes. Das erste Gebäude der TBMM ist heute Museum des Unabhängigkeitskrieges, Kurtuluş Savaşı Müzesi – und selbst ein typischer Vertreter einer osmanisch-historisierenden Architektur, der sogenannten Ersten Nationalen Architekturströmung, Birinci Ulusal Mimarlık Akımı. (Mehr zur Architektur in der jungen türkischen Republik und der späteren Einflüsse von Architekten aus dem deutschsprachigen Raum auf Laytmotif). Ein Ministerrat unter Vorsitz von Mustafa Kemal bildet ab Mai 1920 bis zur Gründung der Republik am 29. Oktober 1923 eine Art Gegenregierung, die Ankara-Regierung (Ankara Hükûmeti) oder Regierung der Großen Nationalversammlung (Büyük Millet Meclisi Hükûmeti). Die Ankara-Regierung wird in ihrer Amtszeit auf der Basis des Misak-ı Millî agieren, des Nationaleids oder Nationalpakts, einer Art politischem Manifest als Ergebnis der Kongresse der türkischen Unabhängigkeitsbewegung in Sivas und Erzurum von 1919. Im Nationalpakt wird das Gebiet einer neuen Türkei umrissen und die Aufhebung aller Beschränkungen durch alliiertes Besatzungsrecht gefordert. Auf seiner Basis wurde letztlich 1923 der Vertrag von Lausanne verhandelt, Voraussetzung für die Gründung der Türkischen Republik. Die Ankara-Regierung erkennt zwar nominell zunächst noch die Autorität des Sultan an – umgekehrt aber nicht: Im Mai hatte das oberste Kriegsgericht in Istanbul Mustafa Kemal und einige seiner Getreuen in Abwesenheit zum Tode verurteilt, bestätigt vom Sultan, auch Kalif aller Muslime. Alle, die Ankara unterstützen, wurden schon am 10. April in einer Fatwa sultanstreuer islamischer Gelehrter zu Ungläubigen erklärt, deren Tötung als Hochverräter legitim und erwünscht sei. Wilhelm II., das letzte deutsche Staatsoberhaupt, das sich auf das Gottesgnadentum berief, mit dem imperialen Wahlspruch „Gott mit uns“, war da schon zwei Jahre Geschichte.

Straßenhändler und Wagen des Amerikanischen Roten Kreuzes, Istanbul 1920 (Library of Congress, loc.gov/item/2010650588)
Straßenhändler und Wagen des Amerikanischen Roten Kreuzes, Istanbul 1920 (Library of Congress, loc.gov/item/2010650588)

Türkiye, die Türkei, oder zunächst Türkiya, wird mit der Einberufung der Türkiye Büyük Millet Meclisi 1920 erstmals auch ein offizieller politischer Begriff im noch existierenden Osmanischen Reich. Es geht bei Laytmotif um die Türkei, und für die Zeit vor 1923 bedeutet das oft ein Jonglieren mit den Begrifflichkeiten „osmanisch“ und „türkisch“. Das seit dem 13. Jahrhundert bestehende und 1920 sein Ende findende Reich hatte sich selbst nach seinem Gründer, Osman I., benannt, auf osmanisch Devlet-i ʿOs̲mānīye (der osmanische Staat), oder türkisch Osmanlı İmparatorluğu (Das Osmanische Reich). Die Türken waren eine große ethnische Gruppe in diesem multiethnischen Staatsgebilde – alle seine Einwohner jedoch wurden von Europäern Türken genannt, der Sultan auch der Große Türke. Die Bezeichnung Türkei oder Türkisches Reich war zwar in Europa weit verbreitet; die Osmanen selbst machten nie offiziell davon Gebrauch. Die 16 Sterne auf der Standarte der Präsidentschaft der Türkischen Republik (türkisch Türkiye Cumhuriyeti Cumhurbaşkanlığı Forsu) stehen für 16 große türkische Reiche der Geschichte: das Große Hunnenreich (Büyük Hun İmparatorluğu) zum Beispiel, der Staat der Göktürken (Göktürk Devleti), das Große Seldschukenreich (Büyük Selçuklu İmparatorluğu), natürlich das Osmanische Reich selbst – ein offiziell so genanntes Türkisches Reich (Türk İmparatorluğu), ein Türkischer Staat (Türk Devleti) ist nicht dabei.
Türkiye einerseits, die türkische Sprache andererseits: Ein Punkt im Programm des Ministerrats in Ankara war die „Schaffung eines Wörterbuchs unserer Sprache durch Sammlung des Wortschatzes breiter Bevölkerungsschichten“ (Kreiser, Atatürk, S. 155). In diesen politisch und militärisch überaus instabilen Zeiten also schenkte die Führung der Unabhängigkeitsbewegung der türkischen Sprache schon besondere Beachtung: in Abgrenzung zum „Staatsosmanisch“ des alten Regierungsapparats mit seinen starken arabischen und persischen Einflüssen, als Vehikel einer künftigen Volksbildung, letztlich auch zur Bildung einer türkischen Nation. Dieser Programmpunkt war ein Vorgriff auf die Sprachreform 1928, die Einführung des lateinischen Alphabets, die Gründung der Türk Dil Kurumu (TDK, „Türkische Sprachgesellschaft“) die der Rückkehr zu einem Öztürkçe dienen sollte, einer reinen, puristischen, wirklich „türkischen“ Form des Türkischen.

Geflügelhändler, Istanbul 1920 (Library of Congress, loc.gov/item/2010650567)
Geflügelhändler, Istanbul 1920 (Library of Congress, loc.gov/item/2010650567)

In englisch, französisch und osmanisch mindestens wird der Vertrag von Sèvres gewesen sein, den die Siegermächte des I. Weltkriegs im August 1920 mit dem Osmanischen Reich abschlossen. Ein „Diktatfrieden“, ausgehandelt ohne Beteiligung des Osmanischen Reichs, der die Aufteilung des Reichs unter den Siegern festschrieb. Die auf ehemals osmanischen Territorien gebildeten arabischen Staaten wurden französischer und britischer Mandatsmacht unterstellt, Teile Anatoliens Italien. Ostthrakien und Izmir sollten an Griechenland gehen, der Bosporus unter internationale Kontrolle gestellt werden. In Ostanatolien war ein armenischer Staat geplant – insgesamt sollte nur ein osmanischer Rumpfstaat übrigbleiben. Bis heute wird schon Schulkindern der Sevr Antlaşması als Verrat an der Türkei gelehrt. Die Bevölkerung empfand ihn als Demütigung: Der Sultan durfte zwar in Istanbul bleiben, allerdings ohne staatliche Macht, mit beschränkter Leibwache und mit der Drohung, Istanbul aus dem Staat herauszulösen, wenn es Verstöße gegen Rechte von Minderheiten gäbe. Türkische Offiziere müssen in den Straßen von Istanbul denen der Alliierten, auch rangniedrigeren, salutieren. Verrat braucht Verräter: Die Ankara-Regierung klagt alle die osmanischen Regierungsvertreter als Hochverräter an, die den Vertrag von Sèvres unterzeichnet hatten. In Ankara agierten nun die politischen Kräfte, die die Türkei gegen den Feind verteidigten – und der Kampf entflammte mit neuer Macht.

Der Vertrag von Sèvres trat nie in Kraft, weil im Land gegensätzliche Fakten geschaffen wurden, er von kaum einem der Vertragsstaaten ratifiziert wurde. Schon im September 1920 führte die Unabhängigkeitsbewegung den schnellen, harten türkisch-armenischen Krieg gegen die nur kurz existierende Demokratische Republik Armenien. Der Krieg endete im Dezember 1920 mit dem Vertrag von Alexandropol, oder Gümrü Antlaşması nach der türkischen Bezeichnung der Stadt. Er sicherte der Ankara-Regierung Gebiete um Ardahan, Artvin und Kars im heutigen Nordosten der Türkei zu, die im Vertrag von Sèvres eigentlich für einen armenischen Staat reserviert waren. Bis heute stehen sich in der Region Armenien auf der einen Seite und die Türkei mit dem ethnisch und kulturell verbundenen Aserbaidschan auf der anderen feindlich gegenüber. Als am 10. Dezember 2020 in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku anlässlich des Sieges über Armenien im Berg-Karabach-Konflikt eine Militärparade abgehalten wird, nimmt neben Präsidenten Ilham Aliyev auch sein türkischer Amtskollege Recep Tayyip Erdoğan teil. Im Westen besetzt Griechenland im Sommer 1920 ausgehend von Smyrna/İzmir die Küstenregionen am Marmarameer, dringt ins anatolische Landesinnere vor. Bursa, heute viertgrößte Stadt der Türkei, erste osmanische Hauptstadt ab 1326, mit dem Grabmal des Begründers der Dynastie, wird am 8. Juli 1920 von griechischen Einheiten besetzt – das Ziel eines Einlenkens der Ankara-Regierung unter Mustafa Kemal erreicht der Vorstoß jedoch nicht. Im Gegenteil: Er entfacht den Verteidigungswillen und Kampfgeist der Bevölkerung, und im Winter 1920/21 wird die griechische Offensive durch die Armee Ankaras gestoppt und zum Rückzug gezwungen werden.

Griechische Fahnen im griechischen Viertel, Istanbul 1920 (Library of Congress, loc.gov/item/2010650576)
Griechische Fahnen im griechischen Viertel, Istanbul 1920 (Library of Congress, loc.gov/item/2010650576)

Die Weimarer Republik war nicht im Krieg, in Berlin begannen die später golden werdenden Zwanziger Jahre. Wenn auch der Waffenstillstand von Moudros 1918 und der Versailler Vertrag im Januar den intensiven Beziehungen von Deutschem und Osmanischem Reich ein Ende setzen wollten, gab es doch unterhalb der offiziellen staatlichen Ebene weiter Verbindungen, von politischen Gruppierungen, Institutionen und Einzelpersonen. Bis ins Jahr 1920 existierten z. B. die osmanischen Konsulate weiter. Die „Jungtürken“ setzten vom deutschen Exil aus ihre politischen Aktivitäten fort, auch im Kontakt zur türkischen Unabhängigkeitsbewegung. Die Deutsch-Türkische Vereinigung verlor zwar nach 1919 verstärkt Mitglieder, es gab sie aber noch: 1920 übernahm der Direktor der Dresdner Bank, Dr. Hjalmar Schacht, den Vorsitz; mit den noch verfügbaren finanziellen Mittel erleichterte sie die Lage für die nach dem Krieg in Deutschland verbliebenen türkischen Schüler und Lehrlinge.

Simitverkäufer, Istanbul 1920 (Library of Congress, loc.gov/item/2010650580)
Simitverkäufer, Istanbul 1920 (Library of Congress, loc.gov/item/2010650580)

Der spätere Pionier des türkischen Kinos Muhsin Ertuğrul bringt 1920, nach ersten Arbeiten im deutschen Filmgeschäft und als Assistent von Max Reinhardt an der Berliner Volksbühne, gemeinsam mit der Regisseurin Marie Luise Droop zwei deutsche Stummfilme heraus, Das Fest der schwarzen Tulpe und die Karl-May-Verfilmung Die Teufelsanbeter (Untertitel: Ein Filmwerk aus dem Orient in 6 Akten). Das heute verschollene Werk basierte auf Karl Mays Orientzyklus, geschrieben vor des Autors erster Orientreise – ob der 28-jährige Ertuğrul als Filmspezialist oder geborener Orientkenner zum Projekt kam, war nicht herauszufinden. („Bey nidsche demar – wie heißt der Bey? frug ich türkisch – diese und weitere Türkischkenntnisse Kara Ben Nemsis im Originaltext der Teufelsanbeter auf literaturnetz.org). Mit dem Film Bir Millet Uyanıyor, Eine Nation erwacht, wird Ertuğrul 1932 den ersten türkischsprachigen Tonfilm drehen – über den türkischen Unabhängigkeitskrieg, mit Präsident Mustafa Kemal als er selbst in einer Nebenrolle. Neben Karl-May-Verfilmungen, dem Werfen türkischer Orangen zur Fastnacht gibt es 1920 eine weitere Aktivität auf dem Feld der Kultur: Otto Liman von Sanders veröffentlicht ein Buch, seine Erinnerungen an „Fünf Jahre Türkei“. Der preußische General war seit 1913 als Leiter einer Militärmission im Osmanischen Reich, 1918 verantwortlich für die Rückführung der deutschen Truppen nach Kriegsende. Erst vor einigen Jahren gab es eine Neuveröffentlichung des Buchs auf türkisch, Türkiye’de Beş Yıl – bekannt ist Liman von Sanders in der Türkei heute noch als Liman Pascha oder Löwe von Gallipoli: Als osmanischer Marschall war er 1915 Oberbefehlshaber der 5. Osmanischen Armee in der Schlacht von Gallipoli, türkisch Çanakkale Savaşı, die in der türkischen Geschichtsschreibung als Start des Unabhängigkeitskrieges gesehen wird. Mustafa Kemal stand in dieser Schlacht als Kommandant unter dem Oberbefehl von Liman von Sanders – und während der eine im Ruhestand in Berlin Bücher schreibt, ist der Krieg des anderen fünf Jahre später, 1920, noch nicht beendet.

Zum Weiterlesen:
Camilla Dawletschin-Linder, Amke Dietert: Begegnungen. Hamburg und die Türkei in Geschichte und Gegenwart (hamburg.de, 2012)
Gerd Brendel. 100 Jahre Vertrag von Sèvres. Das unverdaute Ende des Osmanischen Reichs (deutschlandfunkkultur.de, 29.07.2020)
Klaus Kreiser: Atatürk (C. H.Beck, 2011)
Sabine Mangold-Will: Begrenzte Freundschaft. Deutschland und die Türkei 1918-1933 (Wallstein, 2013)
Udo Steinbach: Geschichte der Türkei (C. H. Beck, 2000)

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